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André Albrecht – Gewinner der Kategorie Forstunternehmer des Jahres 2020

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Melvin, Jennifer und André Albrecht arbeiten gerne als Familie an gemeinsamen Projekten.
Foto: H. Höllerl

André Albrecht: Der Naturpfleger

Der Forst- und Gartenbaubetrieb von André Albrecht steht eigentlich auf drei Standbeinen. Ein ganz wesentlicher Punkt ist nämlich auch die Landschaftspflege. Genau genommen hat zwischenzeitlich sogar die Mehrzahl der Aufträge im Familienbetrieb irgendwie mit der Pflege von Natur und Landschaft zu tun.

Fast 20 Jahre lang hat sich André Albrecht nach seiner Ausbildung zum Forstwirt bei einem Autohersteller verdingt. So ganz konnte er aber die Waldarbeit nie lassen. 2006 hatte er den Mut, sich gänzlich selbstständig zu machen. Mit Erfolg, denn schon nach vier Wochen konnte er seinen ersten Mitarbeiter einstellen. Heute sind es deren 15, inklusive seiner Frau Jennifer und dem 19-jährigen Sohn Melvin. Die verteilen sich mehr oder weniger gleichmäßig auf die drei Sparten.

Anfänglich war die Arbeit im Wald ganz klassisch ausgerichtet: Motormanuelle Ernte mit viel Langholzrückung. Aber das Ausschreibungs(un)wesen forderte auch bei ihm zunehmend seinen Tribut. Albrechts Betrieb, der ausschließlich ausgebildete Forstwirte beschäftigt, war plötzlich zu teuer. Auch wenn das örtliche Forstpersonal oft sehr bestürzt war, einen zuverlässigen Stammunternehmer zu verlieren, machten doch andere Firmen das Rennen.

Viele Standbeine

In der Diversifizierung und vor allem mit einer möglichst großen Flexibilität suchte der Unternehmer ab da sein Heil. So musste bald auch der große John-Deere-Skidder einer multifunktionalen Maschine weichen: Der Noe 210 Sechsrad besitzt nicht nur Rungenkorb und Klemmbank, sondern ist vielfach auch mit der Greifersäge von Gierkink unterwegs. Diese Kombination ist vor allem bei Verkehrssicherungsmaßnahmen gefragt, angefangen von Wanderwegen bis hin zu Autobahnen. Wird die Stückzahl der zu entnehmenden Bäume größer, kommt Albrecht junior mit dem „Petzgerät“ zum Zuge. Das ist das pfälzische Wort für Zwick-Aggregat.

Mit der Greiferschere von TMK mit Sammelfunktion können Melvin und sein Minibagger sehr effizient auch flächige Entbuschungen vornehmen.

Wegehobel

Besonders stolz ist Vater André auf seinen selbst konstruierten Wegehobel. Für die Wegepflege unter den verschiedensten Bedingungen, angefangen von Moorwegen bis hinauf zu reinen Sandwegen oben im Pfälzer Wald, konnte er einfach kein passendes Gerät finden. So entwickelte er zusammen mit einem Stahlbauer das kastenförmige Gerät weiter, bis es seinen Anforderungen genügte. Je nach Höheneinstellung der innenliegenden Hardox-Schürfklingen lässt sich damit eine Eindringtiefe bis 9 cm erreichen. Dafür muss das Zugfahrzeug aber schon Power haben – der Claas im Betrieb hat dafür mit rund 220 kW genug Reserven. Im Rahmen der reinen Wegepflege reicht aber auch die Hälfte locker aus. Auch die Fahrgeschwindigkeit entscheidet mit darüber, ob der Feinanteil nach oben geholt wird oder das grobe Material.

Falls es gewünscht wird, besitzt das Gerät hinten Aufnahmen für bis zu drei Plattenverdichter. Für die sofortige Erzielung eines Dachprofils mit dem 2 t schweren Apparat hat Albrecht auch gebogene Schürfleisten zuhause liegen. Mit den geraden lässt sich dagegen auch alter Sportplatzrasen ganz kommod abziehen. Bisher hat er von seinem Hobel nur eine Maschine an einen befreundeten Unternehmer verkauft. Aber es könnten jederzeit weitere Exemplare gebaut werden. Der Preis dafür beim Stahlbauer liegt bei rund 8 000 €, je nach Austattung – der Erfinder will selber daran gar nichts verdienen.

Zottelige Mitarbeiter

Und dann gibt es im Unternehmen noch die vierbeinigen Helfer wie Bruni. Sie gehört zu einer kleinen Herde von schottischen Hochlandrindern, mit denen spezielle Beweidungsprojekte in Bereichen gestaltet werde, die offen gehalten werden sollen, wo die Böden aber für die Befahrung mit Maschinen zu empfindlich sind. Nach der ersten Entbuschung halten die Tiere auch den Aufwuchs der Spätblühenden Traubenkirsche oder der Ohrweiden in Schach. Wenn einmal eines geschlachtet wird, sind die Fleischpakete immer schon restlos vorbestellt.

Die Idee zu diesem Geschäftsfeld entstand eher zufällig: Der neue Firmenstandort des Forst- und Gartenbaubetriebs ist ein ehemaliger Bauernhof. Als die Familie dort hinzog, wünschte Albrechts Frau Jennifer sich dazu passend eine Kuh. Aus dem einen Tier wurden zwischenzeitlich sieben und es sollen noch einige mehr dazu kommen. Andrés anfängliche Skepsis ist verflogen und er freut sich, bei diesen Projekten auch direkt mit seiner Frau zusammenarbeiten zu können anstatt sie nur abends nach Feierabend zu sehen.

Zukunft Naturschutz

Das mag jetzt für den einen oder anderen Leser eher wie eine nette Nebenbeschäftigung erscheinen und weniger als eine ernsthafte Einkommensquelle – so war es am Anfang auch. Aber zugleich zeigt es eine Entwicklung in Albrechts Betrieb auf: Die Arbeitsfelder im Naturschutz werden mehr. Für die Anerkennung von Ökopunkten durfte er schon Knüppeldämme bauen und Biotope für den blauen Moorfrosch umwandeln. Solche vordergründig völlig unwirtschaftlichen Maßnahmen sind der Gesellschaft unter bestimmten Umständen auch einmal bares Geld wert.

Diese Tendenz wird sich vermutlich mit dem Fortschreiten des Klimawandels noch verstärken – und das darf es nach André Albrechts Meinung auch: Auf diese Weise gibt es für ihn und sein Unternehmen immer genügend spannende und abwechslungsreiche Aufträge. Zugleich trägt es vielleicht ein Stück weit dazu bei, für Melvin, der gerne mitarbeitet und möglicherweise später den Betrieb weiterführen wird, auch in Zukunft eine lebenswerte Umwelt zu erhalten.

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