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Andreas Pommer

andreas pommer

Baumart der Zukunft: Mit der Tanne lässt sich im Bergland gut wirtschaften.
Foto: M. Jahns

Andreas Pommer: Integrative Waldwirtschaft im Erzgebirge

Andreas Pommer ist Förster durch und durch. Als waschechter Sachse hat er das forstliche Handwerk von der Pike auf gelernt. Sein Credo lautet: „Der Waldumbau hört nicht bei der Waldverjüngung auf, er fängt damit erst an“. Nun steht der Erzgebirger im Finale des diesjährigen DEUTSCHEN Waldpreises in der Kategorie Förster des Jahres.

Wenn Andreas Pommer naturgemäße Waldwirtschaft meint, dann heißt das für ihn „durch eine integrative Dauerwaldbewirtschaftung alle natürlichen Ressourcen zu erhalten und zu verbessern.“ Wie sich dies praxisnah umsetzen lässt, hat sich der Förster des Reviers Eibenstock im Erzgebirge auf zahlreichen Exkursionen durch Europa und Nordamerika abgeschaut. „Auf den Reisen habe ich in den vergangenen 30 Jahren verschiedenste Beispiele von Waldbewirtschaftung auf der einen Seite und Urwäldern auf der anderen Seite sehen dürfen.

Diese immer neuen Eindrücke und Anregungen habe ich mit nach Sachsen gebracht und versuche diese hier, was geht, umzusetzen“, erläutert der 53-jährige Förster, der auch in Eibenstock aufgewachsen ist. Seine Ausbildung als Forstfacharbeiter/Mechanisator startete er Mitte der 80er-Jahre, 1989 fing er das Studium der Forstwissenschaften an der TU Dresden an, nach 7 Semestern wechselte Pommer nach Eberswalde, „weil mir klar war: Ich will in den Wald, ich will in die praktische Revierarbeit, das war nach der politischen Wende mit einem Uniabschluss im öffentlichen Dienst nicht möglich.“

Angepasste Wildbestände

Durch eine intelligente Waldbewirtschaftung und das Ausnutzen biologischer Prozesse hält Pommer den Ressourceneinsatz so gering wie möglich: „Bei angepassten Wildbeständen laufen viele Verjüngungsprozesse von selbst ab, Lichtsteuerung durch den Oberstand macht die Pflege im Unterstand obsolet.“ Und so verbringt der Förster viele Stunden – auch und v. a. nach Dienstschluss – mit der Büchse in der Hand und zusammen mit seinen beiden Brandelbracken Odin und Aska. 50 bis 70 Stück Rehwild, 10 bis 20 Stück Rotwild und zwischen 20 bis 30 Sauen pro Jahr kommen in seinem 1.750 ha großen Revier zusammen.

Pommer: „Die konsequente Bejagung hat uns hier den entscheidenden waldbaulichen Vorteil gebracht. Früher war das hier ein Kernrevier des Rotwildforschungsgebietes Eibenstock, noch heute fallen 30 bis 40 % des Holzeinschlags durch die damalige Rotwildschäle fäulebedingt in D-Sortimente.“

Heute gibt es keine Neuschäle mehr. Ein weiterer Erfolg: Sämtliche Verjüngung kommt ohne Zaun hoch. „Den intensiven Waldumbau betreiben mein Vorgänger Klaus-Peter Trommer und ich seit 30 Jahren, er ist uns gut gelungen. Wir haben kaum noch Flächen für die Pflanzung von Mischbaumarten, 20 % der Holzbodenfläche ist inzwischen Weißtanne, 20 % Buche.“ Bei der Bewirtschaftung des Altholzes helfen 40 m Gassen, „um das Produktionsmittel Boden zu schonen“, wie der Förster erklärt.

Durch angepasste Technik, Stehendentnahme, Bändereinsatz, gut ausgebildete Zufäller und stellenweise auch durch Rückepferdeeinsatz wird für eine schonende Holzernte gesorgt. 15.000 Efm/Jahr müssen in seinem Revier geerntet werden, um den Vorrat von etwa 360 Fm/ha zu halten. 70 bis 80 % werden mittels Unternehmereinsatz geerntet und aus dem Wald gebracht.

Waldnaturschutz

„Durch eine integrative Waldwirtschaft versuche ich auf ganzer Fläche die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen. Sich von Natur aus anbietende Strukturen wie Wurfholz, Blitzfichten, absterbende Altbäume werden von mir genauso in die Bewirtschaftung eingebaut wie aktive Maßnahmen“, erklärt der Förster. Dazu zählen die Ausweisung von Biotopbäumen, Bachtalrenaturierung, Förderung von Lichtwaldbiotopen an Waldinnenrändern, Hecken an Bergwiesen oder die Bergwiesenpflege.

Das Revier Eibenstock erstreckt sich über 1.750 ha und findet sich in Höhen zwischen 600 bis 960 m ü. NN. Pommer sind diese Strukturen sehr wichtig, auch der Aufbau von Nisthilfen, Laichgewässern bis hin zu Fledermauskästen. „Unseren Forsten fehlen für mehr Naturnähe vor allem die Stadien der Zerfallsphase der Urwälder.“ Das Nachzustellen fällt ihm relativ leicht, indem er so viel wie möglich minderwertige Sortimente, z. B. als Hochstubben, Kronenmaterial und Baumteile, die nicht kostendeckend aufgearbeitet werden können, im Wald belässt. „Natürlich immer unter Berücksichtigung der Waldschutzsituation“, betont der Förster.

Interessierte in den Wald holen

„Tue Gutes und rede darüber, das ist mein Leitsatz“, so Pommer. Die Forstwirtschaft rücke zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses und die Förster würden dabei nicht immer gut wegkommen. „Deshalb versuche ich im Rahmen der Waldpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit Interessierte in den Wald zu holen und für die naturnahe, naturgemäße und integrative Waldbewirtschaftung zu werben“, so Pommer, selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern. Dazu kommen einige Schulklasseneinsätze und Einsätze des Bergwaldprojektes mit Freiwilligen.

Hobbyimker

Seit zehn Jahren ist der Hobbyimker Ausbildungsrevierleiter für den gehobenen Dienst und engagiert sich bei der innerbetrieblichen Weiterbildung bei Sachsenforst bei Astungsseminaren und Anzeichnungsübungen in Marteloskopen. Nicht genug, denn Pommer engagiert sich zudem in einem regionalen Naturschutzverein, ist seit 30 Jahren Vorstandsmitglied der ANW-Landesgruppe Sachsen und Vorstandmitglied der ÖJV-Landesgruppe Sachsen. „Mein Beruf ist mein Hobby, gute Beispiele treiben mich an; meine Vorgesetzten motivieren mich, z. B. wertvolles Holz durch Astung zu erzielen oder Wildbestände niedrig zu halten, das ist komplett meine Linie.“ Genau das nimmt man dem Förster ab; für das tägliche Tun von Andreas Pommer gibt es ein Wort: Engagement.

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