Carsten Henkel und Marc Rosenberg aus Osterode-Lasfelde

carsten henkel und marc rosenberg aus osterode lasfelde

Im Doppelpack

Carsten Henkel aus Osterode hat mit seinem langjährigen Mitarbeiter Marc Rosenberg ein gemeinsames Forstunternehmen gegründet: die H+R Forst GmbH. Sie konzentriert sich auf die hochmechanisierte Holzernte, während die Firma Henkel sich um Brennholzproduktion, Pflanzarbeiten oder um den Weihnachtsbaumverkauf kümmert.

Traditionen sind im Forst allgegenwärtig. Beim Forstunternehmen Carsten Henkel in Osterode-Lasfelde kann man das an der Bahnhofsgaststätte festmachen, die seine Frau heute betreibt. Dabei ist von einem Bahnhof weit und breit nichts zu sehen. Es gab ihn aber einmal, als sein Urgroßvater noch ein Pferdefuhrwerk hatte und sein Großvater mit dem Pferd Holz rückte. Damals verlief vor dem Betrieb noch eine Schmalspurbahn, die Güter und Ausflügler in die Berge brachte. Henkels Großvater hat damals die Fahrkarten verkauft. Bald musste er einen Warteraum anbauen, in dem er später auch Gäste bewirtete. 1968 verschwand die Bahnstrecke, geblieben ist die Gaststätte, in der sich heute die Forstunternehmer der AfL Niedersachsen regelmäßig treffen. An den Urgroßvater und sein Pferdefuhrwerk erinnert sie noch ein Ölgemälde. 

Reines Rückeunternehmen

Ein Stück Tradition sind auch die zwei Kaltblüter, die Carsten Henkel (49) besitzt, allerdings nicht mehr für die Waldarbeit einsetzt. Er hat die Familiengebräuche mit moderner Technik weiter geführt, als er 1998 nach seiner Ausbildung zum Forstwirt das Unternehmen seines Onkel übernahm. Viele Jahre lang blieb es ein reines Rückeunternehmen mit Forst-spezialschleppern von Welte und Ritter, später auch breiter aufgestellt mit der Aufforstung, dem Zaunbau sowie der Kultur- und Jungwuchspflege. Auf dem 2 ha großen Betriebshof produziert er heute außerdem rund 3.000 Schüttraummeter Brennholz jährlich, bietet mit einer Wood-Mizer-Mobilbandsäge Lohnschnittarbeiten an und erzeugt im kleinen Stil Weihnachtsbäume. Für einen Wasserverband erledigt er nicht zuletzt mit einem Arbeitsboot die Böschungspflege. Als er sich selbstständig machte, hatte sich die Holzernte mit den in Skandinavien erfundenen Kranvollerntern zwar schon verbreitet, für ihn kamen diese Maschinen damals aber nicht in Frage. Das hat sich nach langer Keimruhe erst 2018 geändert, als er mit Marc Rosenberg die H+R Forst GmbH gründete. Der Begriff Keimruhe passt gut, weil die Entscheidung sich langsam anbahnte, seit Marc Rosenberg 2009 bei ihm anfing. Er hatte beim Stadtforstamt Osterode Forstwirt gelernt und übernahm bei Carsten Henkel all die Arbeiten, die man für diesen Beruf erlernt, einschließlich der Maschinen. Offenbar zur großen Zufriedenheit seines Chefs, der später zustimmte, als Marc berufsbegleitend an den Waldarbeitsschulen Münchehof und Magdeburgerforth den Abschluss zum Forstwirtschaftsmeister anstrebte und bestand. 

Die gemeinsame Firma

Sein berufliches Glück hatte damit aber erst begonnen. Nicht lange nach dem Meisterabschluss und zwei Wochen vor seiner Hochzeit fragte Carsten, ob er mit ihm eine neue Firma gründen und deren Geschäfte führen wolle. Die Idee dahinter: Nach dem Sturm Friederike im Januar 2018 war die Zeit für den Einstieg in die hochmechanisierte Holzernte einfach reif. Wie wir heute wissen, war es sogar ein idealer Zeitpunkt, denn Borken-käfer und Dürre haben im Harz drei Jahre gewütet und die Unternehmer rund um die Uhr in Atem gehalten. 

Die H+R Forst GmbH hat in diesen Jahren viel Geld investiert und verfügt heute über eine fast durchweg neuwertige Maschinenflotte. Zur ihr zählen ein Harvester EcoLog 590F (2021) sowie die zwei 14-Tonnen-Rückezüge EcoLog 574F (2019, 2021). Dazu kommen die Forstspezialschlepper Ritter 185 (2017), Welte-W210 (2021), und Welte W130 (2017) plus eine Welte-Kombimaschine W130 (2022) und mehrere landwirtschaftliche Traktoren mit Forstausrüstung. 

Sogar für eine technische Innovation fand Carsten Henkel noch die Zeit. Zusammen mit dem John-Deere-Händler Agrarmarkt Deppe entwickelte er ein Spritzgestänge für den Schlepperanbau. Um Holzpolter gegen Borkenkäferbefall zu behandeln, muss er den Schlepper jetzt nicht verlassen. Er spart sich in der Sommerhitze den Schutzanzug und die Atemmaske und muss auch nicht mehr auf hohen Holzpoltern herumklettern, die beim Spritzen oft glitschig werden und deren Stämme leicht ins Rollen kommen können. Die Berufsgenossenschaft hat seine Erfindung begrüßt, denn es haben sich bei dieser Arbeit schon einige Unfälle ereignet.

Neuausrichtung anvisiert

Bei alledem haben Carsten Henkel und Marc Rosenberg den Überblick nicht verloren. Sie wissen, dass die mechanisierte Holzernte im Harz nach Aufarbeitung der Waldschäden abnehmen wird. In weiser Voraussicht stellen sie daher einen traditionellen Geschäftszweig neu auf: die Bestandesbegründung, die sie bisher mit Hauen und Spaten erledigt haben. Um diese Tätigkeit zu mechanisieren, haben sie nicht nur eine Pflanzmaschine gekauft, sondern auch zwei Komatsu-Bagger. Einer übernimmt mit dem Silvafix-Rechen die Flächenräumung, der andere die Baggergabelpflanzung. Extra für diese Arbeit haben sie drei Mitarbeiter bei den Niedersächsischen Landesforsten schulen lassen. Die Arbeitssicherheit geht vor. 

Genauso wichtig ist ihnen die Arbeitsqualität, die sie durch das RAL-Gütezeichen Wald- und Landschaftspflege nachweisen und mit qualifiziertem Personal sicher stellen: Von 26 Angestellten haben 16 den Beruf des Forstwirt gelernt, und die Maschinenführer besitzen entweder langjährige Erfahrung oder haben eine Fortbildung absolviert. Mit der Waldarbeitsschule Münchehof in der Nachbarschaft haben sie gut ausgebildete Leute bisher immer leicht gefunden. Aber sie merken, dass dies nicht leichter wird – obwohl sie Tariflöhne und mehr bezahlen. Sie stellen ihren Mit-arbeitern ein Auto, zahlen den Kraftstoff und sämtliche Arbeitsmittel. Für die Zukunft haben sie sich vorgenommen, endlich selbst Forstwirte auszubilden. Einen Forstwirtschaftsmeister und ein vielfältiges Arbeitsspektrum hat die Firma H+R Forst schon zu bieten. Als Vorstandsmitglied im Qualifizierungsfonds Forstwirtschaft (QfF) und im Forstunternehmerverband AfL Niedersachsen ist das für Carsten Henkel in gewisser Weise ohnehin eine innere Verpflichtung.

Oliver Gabriel

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