Die Gemeinde Steinfeld

die gemeinde steinfeld

Steinfeld leistet sich einen eigenen Förster

Auf 1.230 ha lebt die Gemeinde eine nachhaltige und naturschutzintegrative Waldbewirtschaftung. Vergleicht man den Gemeindewald Steinfeld mit anderen kommunalen unterfränkischen Betrieben, so hebt er sich nicht nur durch seine hohe und größtenteils zusammenhängende Fläche ab. Der Fokus, den die Gemeinde auf Ökologie vor Ökonomie legt, ist ebenfalls nicht alltäglich. 

Die Gemeinde Steinfeld liegt am östlichen Rande des Spessarts im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Der Wald der Gemeinde stockt überwiegend auf guten Standorten. Das Laubholz dominiert mit 56 %. Mit 34 % ist die Buche die häufigste Baumart. Die Eiche weist einen Anteil von 19 % auf. 

Naturschutz und Biodiversität

Der Waldnaturschutz spielt in diesem Gemeindewald eine zentrale Rolle. Er ist wichtiger Bestandteil der vielschichtigen Bewirtschaftung. Auf ganzer Fläche werden deshalb Horst- und Höhlenbäume sowie starke Altbäume belassen. Umgestürzte und abgestorbene Einzelbäume bleiben, soweit aus Waldschutz- und Verkehrssicherungsgründen möglich, auf der Fläche. Die Anreicherung von Totholz und der Erhalt von Biotopbäumen als Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität sind wichtige Ziele der Gemeinde. 

Auch werden seltene Mischbaumarten gefördert und bleiben ungenutzt. Brutbäume, z. B. der Bereich einer Dohlenkolonie, und ökologisch besonders wertvolle Waldbestände wurden aus der Nutzung genommen. Für den Fortbestand dieser Rote-Liste-Art ist ein ungestörter Lebensraum entscheidend. 

Die Pflege vorhandener Feuchtbiotope und die Neuanlage weiterer Biotope werden ebenfalls als wichtige Aufgabe gesehen und konsequent vorangetrieben. Ebenso werden 8 ha Schluchtwald nicht bewirtschaftet. Dieser Bereich ist im Steinfelder Gemeindewald einzigartig und bietet einem weiteren Tier- und Pflanzenspektrum einen besonderen Lebensraum. Unter anderem findet sich dort ein umfangreiches Vorkommen von Feuersalamandern.

Als Grundlage für eine planmäßige Umsetzung der Naturschutzziele wurde für den Gemeindewalddistrikt „Waldzeller Wald“ bereits 2017 ein Naturschutzkonzept erarbeitet.Auch der Umbau nicht standortgerechter Bestände in klimatolerante Laubmischwälder und die Förderung des Strukturreichtums der Bestände, unter anderem durch das Einbringen klimastabiler Mischbaumarten wie Baumhasel und Roteiche, bereichern die biologische Vielfalt. Eine bodenschonende Waldbewirtschaftung ohne flächige Befahrung ist für die Gemeinde Steinfeld selbstverständlich.

Der Gemeindewald entwickelt sich, dank der umsichtigen Bewirtschaftung, zu einem Hotspot der Biodiversität. Totholz, Biotopbäume, nutzungsfreie Flächen, struktur- und baumartenreiche Bestände, Feuchtbiotope und Trockenstandorte, Ökokontoflächen im Waldrandbereich und zusätzliche Nisthilfen bieten vielfältigen Arten mit verschiedensten Habitatansprüchen eine Lebensgrundlage.

Totholz ist im Gemeindewald ein Element, dem besondere Bedeutung zukommt. Deshalb hat der Gemeinderat den Entschluss gefasst, zukünftig alle Einzelwürfe auf der Fläche liegen zu lassen. Auch stehendes Totholz ist wichtiger Bestandteil eines intakten Waldökosystems. Altholzinseln werden daher in den Beständen belassen. Das Konzept zeigt schon jetzt große Erfolge, seltene Urwaldpilz Igelstachelbart siedelt bereits auf den Stämmen. Und in den letzten Tagen wurden Luchs und Wildkatze zum ersten Mal beobachtet. 

Die Gemeinde hat aktuell  ihre Eigenjagd in eigene Hände genommen, um besseren Einfluss auf das Wachstum und Mischung der jungen Bäume zu haben.

Waldpädagogik, Informationsarbeit und Schulungen:

Die Gemeinde Steinfeld nutzt ihren Wald sehr intensiv im Rahmen der Öffentlichkeits-, Bildungs- und Informationsarbeit. Waldpädagogische Angebote für Kinder, Waldbegänge und Schulungen für Waldbesitzer und Jäger, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie eine stetige Pressearbeit sind wichtige Instrumente, um das Bewusstsein für das Ökosystem Wald zu schärfen. Der Gemeindewald bietet dafür den optimalen Rahmen. 

RuheForst

Inmitten alter Buchen- und Eichenwälder liegt der RuheForst in der Abteilung „Alteruh“ im höchst gelegenen Bereich des Gemeindewalds. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein bekannter Wallfahrtsort, die Klosterkirche Mariabuchen. Nicht jeder Wald ist als RuheForst geeignet. Leitprinzip ist, neben dem optischen Eindruck, der Naturschutzgedanke. RuheForste müssen hinsichtlich Lage, Baumartenzusammensetzung, Alter, Bestandsstruktur, Bestandserschließung und Pflegezustand hohen Anforderungen genügen. Der Gemeindewald Steinfeld erfüllt diese hohen Anforderungen. 

Zertifizierung und Holznutzung

Die Gemeinde ist Mitglied in der örtlichen Forstbetriebsgemeinschaft Main-Spessart West e. V. und über ihre Mitgliedschaft bei der FBG PEFC-zertifiziert. Ein Wechsel zu FSC ist angedacht. Die Gemeinde vermarktet ihr Holz selbst. Vorrang haben regionale Sägewerke um die Region zu fördern und eine bessere Ökobilanz zu erzielen. 

Der Gemeindewald ist Lieferant des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Neben der Versorgung der örtlichen Bevölkerung mit Brennholz wird hochwertiges Holz produziert. Die nachhaltige Nutzung des wertvollen Rohstoffs wird mit Blick auf künftige Generationen verantwortungsvoll wahrgenommen. Das Augenmerk liegt dabei auf der Qualität des Einzelstamms.  

Der eigene Förster

Zwölf Jahre lang war Martin Volkmann-Gebhardt beim Amt für Er­näh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten (AELF) Karl­stadt unter anderem für den Wald der Gemeinde Steinfeld zuständig. Seit April 2022 steigt die Gemeinde aus der staatlichen Beförsterung aus und übernimmt den langjährig erfahrenen Revierleiter als Forstbeamten mit den Aufgaben der Betriebsausführung und Leitung. Ziel ist es, durch mehr Zeit und Fachkompetenz vor Ort den Wald schnellstmöglich für den Klimawandel fit zu machen. Dafür braucht es eine intensivere Betreuung, die der Staat so nicht leisten konnte. 

Bürgermeister Koser lobt seinen alten, neuen Förster als einen visionären und kreativen Menschen. „Wenn er für etwas Begeisterung entwickelt hat, kämpft er hartnäckig so lange, bis er sein Ziel erreichen konnte. Das gelingt dann, wenn er die Menschen erreicht und überzeugt, für das, wofür er brennt.“

Im Wald der Gemeinde Steinfeld wird der Grundsatz „schützen und nutzen“ nachhaltig und vielfältig auf ganzer Fläche gelebt. 

Rainer Soppa 

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