Die Stadt Wernigerode

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Der Wald ist ganz wichtiger Bestandteil der Gesellschaft

Wernigerode ist eine kleine Stadt mit knapp 34.000 Einwohnern am Rande des Harzes und verfügt über mehr als 2.000 ha eigenen Wald. Das ist seit vielen Jahrhunderten so und darauf sind die Wernigeröder auch stolz.

Die erste urkundliche Erwähnung der Wernigeröder Bürgerforsten stammt aus dem Jahr 1411. Seitdem besteht eine sehr enge Verbindung der Bürger zu ihrem Wald. Er ist ein ganz ganz wichtiger Bestandteil der Stadtgesellschaft und der Stadt. 

Der Wald geht unmittelbar bis in die Stadtgrenze heran Der Wald war und ist für Wernigerode und seine Bürger ein Wirtschaftsgut und gehört zur Daseinsvorsorge. Bis 2019 hat der Wald Gewinne an die Haushaltskasse geliefert. 

Zu Zeiten der DDR war Wernigerodes Waldbesitz Volkseigentum. Nach der Wende hat sich der Wernigeröder Stadtrat für die Rückübertragung des Waldeigentums (1994 bis 2000) und für die Bewirtschaftung in Eigenregie entschieden. Seit 2012 ist die Stadt auch Mitglied im Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt, in dessen Vorstand der städtische Revierförster Michael Selmikat tätig ist.

Lage

Wernigerode zeigt auf 500 m ü. NN mit 700 bis 800 mm durchschnittlichem Jahresniederschlag verschiedene Gesichter: flache Täler, kleine Moorstandorte, trockene Kuppen, Steilhänge, flachgründige Böden und Kalkstandorte, gelegen zwischen Privatwald, Landesforst und dem Nationalpark Harz.

Forstwirtschaft als Gemeinwohlaufgabe

Der Wald der Stadt ist multifunktional ausgerichtet und nachhaltig. Ziele sind der Aufbau zukunftsfähiger Mischbestände durch Pflanzung, Naturverjüngung und Sukzession sowie die Schaffung ansprechender, waldgeprägter Landschaftsbilder.

Peter Gaffert ist Oberbürgermeister von Wernigerode unssetzt als ausgebildeter Förster auf die Waldpflege und die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz zur Bewältigung der Klimakrise. Wichtig ist ihm auch das Holz der kurzen Wege, sprich die Vermarktung an regionale Abnehmer. Eine stoffliche Verwendung sollte prinzipiell vor der thermischen Nutzung stehen. Die Stadt setzt sich für die Substitution anderer Bau- und Werkstoffe durch Holz ein.

Holznutzung

Früher lag die jährliche Nutzung bei 6.000 Fm (entfällt künftig) und ca. 4.000 Fm Laubholz (weiterhin nutzbar). 1.100 ha des Stadtwalds sind bzw. waren mit Fichte bestockt. Das Bild hat sich dramatisch verändert. 2019 betrug Gesamteinschlag 25.000 Fm. 2020 waren es 70.000 Fm und 2021 kamen noch einmal 45.000 Fm hinzu. Bei der Bewirtschaftung kommen wald- und bodenschonender Verfahren zum Einsatz – moderne wie traditionelle.

Waldschäden

Was wir in den letzen drei bis vier Jahren erlebt haben hat sich Gaffert selbst als ausgebildeter Förster nicht vorstellen können. Seit 2018 hat Wernigerode auf knapp der Hälfte der Fläche  die bis dahin vorherrschende Fichte durch Trockenheit und Borkenkäfer verloren. Knapp 900 ha Fichtenwald sind abgestorben.

Die nächste Herausforderung ist es nun, diesen Wald wieder herzustellen. „Die Wernigeröder sind sehr stark mit ihrem Wald verwurzelt und alle schmerzt es, wie dieser Wald jetzt aussieht“, so Gaffert

Wiederbewaldung

Trotz der Hitzerekorde, der Trockenheit und des veränderten Binnenklimas ist nach Aussagen des Stadtförsters Michael Selmikat noch Feuchtigkeit im Boden. Mit Lärchen und Douglasien hofft man hier wieder nutzbare Wälder aufbauen zu können.

„Bodenvorbereitung ist das A und O, damit die Leute bei der Pflanzung nicht verzweifeln,“ so Selmikat. Sonst wurden 10 bis 13 ha Pflanzungen im Jahr organsiert, nun seien 25 bis 40 ha nötig. Der Mehraufwand, den die manuelle Arbeit mit sich bringt, müsse fachgerecht durchgeführt und daher begleitet werden. Für regelmäßige Pflanzprojekte mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), mit örtlichen Vereinen wie dem Schützenverein oder dem Anglerverein, mit Schulen und Beeinträchtigten-Gruppen ist er darüber hinaus sehr dankbar. Sie sind nicht nur symbolisch, sondern helfen dem Betrieb enorm. 

Die Kosten für Aufforstungen beziffert Gaffert auf mehrer Millionen Euro pro Jahr. „Da bin ich sehr stolz auf die Bürgerinnen und Bürger und die vielen Partner, die wir gewinnen konnten und die uns unterstützen.“ Es wird neben Manpower auch viel Geld gebraucht. 

Nach der Wiederbewaldung wird es die nächsten 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen. Gaffert hofft allerdings, dank der Unterstützung der einheimischen Wirtschaft, etwas früher mit dieser Aufgabe fertig zu werden.

Zertifizierung

Wald ist viel mehr als Holznutzung. Das wird in Wernigerode anschaulich deutlich. Erholung, Sport, Naturschutz, Denkmal- pflege – die Anforderungen an den Wald in und um Wernigerode sind vielfältig. Seit 2001 ist der Wald der Stadt nach PEFC zertifiziert. Per Ratsbeschluss hat sich die Stadt Wernigerode freiwillig zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung verpflichtet.

Weiter ist Peter Gaffert seit 2015 stellvertretender Vorsitzender bei PEFC Deutschland und der Revierförster Michael Selmikat arbeitet in der regionalen PEFC Arbeitsgruppe Sachsen-Anhalt (RAG). Regelmäßig gibt es Stadtratsexkursionen in den Stadtwald Wernigerode mit Beteiligung der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe e. V. Sachsen-Anhalt. Seit 2017 ist die Stadt als PEFC-Erholungswald zertifiziert und erhielt 2019 den Titel PEFC-Waldhauptstadt 2019.

Tourismus

In einem touristisch geprägten Gebiet wie dem Harz spielt der Wald natürlich eine bedeutende Rolle. Das Angebot an kostenlosen Freizeitmöglichkeiten für die Bürger und für die Gäste der Stadt ist sehr umfangreich: 

  • Wander- und Radwegenetz
  • Waldparkplätze
  • Schutzhütten und Ruhebänke
  • Sichtachsen und Aussichtstürme
  • historische und Themenwanderwege
  • Wasserquellen
  • Jährlich zählt Wernigerode rund 2 Mio. Tagestouristen, mit Tausenden Urlaubern und Übernachtungsgästen. „Zu Walpurgis sind genauso viele Menschen wie Bäume im Wald. Damit leben wir gerne“, sagt Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert.

Jagd

Bejagd wird der Stadtwald von Michael Selmikat zusammen mit 22 Jagderlaubnisscheininhabern. Neben zahlreichen Einzeljagden finden drei bis fünf Drückjagden im Jahr statt. 

 Rainer Soppa

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