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Eberhardt Guba

eberhardt guba

Im Revier Harpstedt sind über vierzig Baumarten zu finden.
Foto: M. Jahns

Eberhardt Guba: „Es macht immer noch Spaß“

Eberhardt Guba nimmt man sofort ab, was er sagt. Und wenn er einem zum Beispiel klarmachen will, dass ihm sein Beruf als Revierförster nach 39 Jahren immer noch viel Freude bringt, dann ist das auch so. Dass er dabei auch sehr viel erreicht hat, ist ein Grund dafür, dass er einer der drei Finalisten des DEUTSCHEN Waldpreises 2020, Kategorie Förster des Jahres, ist.

Eberhardt Guba aus Harpstedt unweit von Bremen betreut das 2.300 ha große Revier Harpstedt im Forstamt Ahlhorn Wald der Niedersächsichen Landesforsten (NLF). Er hat es mit schwach bis gut nährstoffversorgten Böden in der Wildeshauser Geest zu tun. Hauptbaumarten sind die Eiche, Fichte sowie Kiefer und Buche. Das ist aber noch lange nicht alles: Im Hauptbestand wachsen mehr als 32 Arten, nicht viel anders sieht es im Nachwuchs und Unterstand aus, selbst im Überhalt finden sich noch 19 Arten. „Ich baue hier seltene und klimaresiliente Mischbaumarten wie Flatterulme, Schwarznuss, Winterlinde, Esskastanie, Baumhasel und noch weitere an“, so Guba. Bei den beiden letztgenannten Arten betreibt er auch die Saatgutgewinnung und Nachzucht. „Mit meiner Frau säe und pflanze ich seit 2014 in kleinen Waldlücken Esskastanien“, erklärt der Förster.

In seinem Gartengewächshaus zieht er die Pflanzen in speziellen Containern an. Seit fünf Jahren ist er zudem dazu übergegangen, in den Erstaufforstungen von Trinkwasserschutzwäldern u. a. Esskastanien in größerem Stil beizumischen. Erkennbare Schäden blieben zur Freude Gubas bis jetzt aus, „das trifft auch auf die Flatterulme zu“, gibt der Förster zu Protokoll. Und das, obwohl in den vergangenen zwei Jahren mit höchstens 300 bis 400 mm pro Jahr nur die Hälfte des Jahresniederschlags gefallen ist.

Natürlich wird auch hier ein erfolgreicher Waldbau durch den Einsatz der Büchse mitentschieden. „Die Jagd findet überwiegend in Regiejagd mit Jagderlaubnisscheininhabern und Jagdgästen statt“, so Guba. Selbst ist er allerdings auch gerne am waidwerken, v. a. auf Bewegungsjagden mit seinen beiden Laika-Hunden Lai und Marat. Die Ausbildung der Hunde ist eines seiner Hobbys.

Waldschonende Verfahren

Nicht nur der verantwortungsvolle Einsatz von wald- und bodenverträglicher Forsttechnik liegt dem 63-Jährigen am Herzen, auch die Entwicklung der Arbeitsverfahren, die dahinter stecken. Immerhin müssen die 10.500 Efm nicht nur zu Boden, sondern auch aus dem Wald gebracht werden. So ist es nicht verwunderlich, dass er in vielerlei Hinsicht kreativ tätig wurde. Guba: „Da ist die Wertholzastung bis 10 m mit dem Hubsteigersystemen, da ist die bodenschonende Pflanzflächenräumung oder die wurzelgerechte Pflanzung mit dem Bagger als Alternative zu anderen Pflanzverfahren.“ Gerade das letztgenannte Arbeitsverfahren gewinnt an Bedeutung: Guba: „Die heutigen größeren Laubholzsortimente können oftmals nicht mehr händisch gepflanzt werden.“

Der Förster entwickelte die sogenannte Baggerpflanzgabel und das dazugehörige Arbeitsverfahren. „Das Verfahren gibt der vorhandenen Wurzelmasse den nötigen Platz, ist ergonmisch günstig und gewährleistet eine hohe Leistung der Pflanzer“, betont Guba. Überhaupt ist der Förster überzeugt davon, dass mit moderner Forsttechnik viel Gutes für den Wald erreicht werden kann. „Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Gute, umweltschonende und sichere Arbeitsverfahren und naturgemäße Waldwirtschaft sowie auch Biotoppflege schließen sich nicht aus“, ist der Revierleiter überzeugt.

Nicht zuletzt deshalb ist er in diversen Arbeitsgruppen der NLF (Wertastung; Flächenvorbereitung; investive Bestandesbegründung) und des KWF tätig. Zudem bildet er Anwärter und Trainees im Forst aus. „Ich habe ja selbst mal angefangen“, lächelt Guba. Das war 1973 mit einem Praktikum, dann folgte die Forstschule Düsterntal, danach die Anwärterzeit und schließlich der Revierdienst.

Heizen mit Holz

Das Thema Energieholz ist Guba ein besonderes Anliegen. „Mein Revier war vom Sturm 1972 stark betroffen, in der Folge fiel hier in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren sehr viel Holz aus Erschließungsmaßnahmen und Durchforstungen an. Die Frage war: Was machen wir mit dem Laubholz?“ Zur Erinnerung: Seit 1981 ist Eberhardt Guba im Revier in Harpstedt. „Wir haben maschinelle Verfahren zur Ernte entwickelt, die Hackschnitzel verkaufen wir direkt an Produzenten“, erzählt der Förster weiter. Aber auch Scheitholz aus Buchenbeständen fiel an und weil Guba gerne Dinge mit Hand und Fuß macht, hatte er die Idee, gleich fertiges Brennholz 3 m lang am Weg zu verkaufen.

Gesagt, getan; was mit einem Stoß Holz am Wegesrand begann, entwickelte sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld: mehr als 550 Rm Brennholz werden derzeit direkt vermarktet, dazu kommen noch rund 25.000 SRM Hackschnitzel. Und, um dem Ganzen noch einen Rahmen zu geben, ersann der rührige Förster im Jahr 1999 gleich noch eine Veranstaltung, die „Harpstedter Holzheiztage“. Alle zwei Jahre finden diese mit 8.000 bis 10.000 Besuchern und rund 70 Ausstellern im Februar statt. Nebenbei ist Guba auch noch Energieholzbeauftragter für sieben Forstämter der NLF im Nordwesten Niedersachsens.

Waldnaturschutz

Viele der Waldorte in Gubas Revier sind mit Schutzzwecken ausgestattet: Doch es muss auch jemand geben, der die Ziele mit Leben füllt. Und genau dies ist ein weiteres Steckenpferd von Guba. „Die Renaturierung von Fließgewässern, hier v. a. die Delme, und Moorflächen ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Er zeigt auf sein jüngstes Beispiel: die Anlage mehrerer Stillgewässer auf einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Fläche: unmittelbar an einem Forstweg. „Die Sache ist eigentlich ganz einfach, hier ist der tiefste Punkt und da Wasser bekanntlich nicht bergauf fließt, ist genau hier der richtige Ort.“ Auch im Nordwesten der Republik ist der Waldschutz ein Thema: Den Borkenkäfer hat Guba derzeit durch saubere Waldwirtschaft recht gut im Griff, „Probleme habe ich mit der Eichenkomplexkrankheit, aber auch mit der Tannen-Wolllaus, dem Kiefernwurzelschwamm sowie mit Neonectria-Pilzen sowie dem Eschentriebsterben“, informiert Guba.

Berufswunsch: Förster

„Den Umgang mit dem Wald, das wollte ich von Kindesbeinen an, sicher war das auch familiär bedingt“, Gubas Vater und Großvater waren nur einige in seinem Stammbaum, die den grünen Rock trugen. „Das sind zig Generationen“, resümiert Guba. „Wahrscheinlich liegt das in unseren Genen, für kommende Generationen etwas zu gestalten, das Arbeiten mit und in der Natur.“ So langsam blickt der 63jährige da schon auch mit etwas Wehmut auf sein berufliches Lebenswerk zurück: „Ich bin stolz auf meine Arbeit der letzten 39 Jahre, besonders auf die Entwicklung der Arbeitsverfahren. Und ich kann wirklich sagen: „Es macht immer noch Spaß.“

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