Joachim Seibold aus Sonnen

joachim seibold aus sonnen

Total regional

Viele Forstunternehmen sind überall unterwegs, wo es Holz einzuschlagen oder zu rücken gibt. Andere sind in ihrer Region tätig. Unser Finalist, die Firma Holz Seibold aus Sonnen im Landkreis Passau, zeigt, dass man auch in der Region groß werden kann – und damit auch noch die Familie zusammenhält.

Einmal waren wir weg“, sinniert Joachim Seibold im Gespräch zu diesem Artikel. „Das war damals nach dem Sturm Wiebke, 1990, da hat uns der Staatsforst in München und Wackersdorf gebraucht. Aber ansonsten, immer hier.“ Hier, das sind im Falle der Firma Seibold die Landkreise Passau und Freyung-Grafenau im Bayerischen Wald.

In diesen beiden Kreisen machen Joachim Seibold und seine 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür alles, was man sich zum Thema Holzernte und Holzvermarktung vorstellen kann. Gerade beim ersten Schritt, dem Holzeinschlag hat Seibold jüngst investiert. Mittlerweile fahren zwei Komatsu-Harvester im Betrieb, ein 931 Sechsrad und ganz neu ein 931 XC Achtrad. Holzeinschläge, die nicht mit dem Harvester zu machen sind, erledigen Subunternehmer.

Keimzelle Holzrückung

Das Kernstück des Unternehmens ist zweifelsohne die Holzrückung. Mit ihr hatte Joachims Vater Martin Seibold das Unternehmen im Jahr 1972 gegründet. Der umtriebige Landwirt, der bis zu seinem Tod 2013 Milchvieh- und Mutterkuh-haltung betrieb, arbeitete bis 1972 nebenbei in den Kusser-Holzwerken in Hauzenberg, die seinerzeit weit über die Region hinaus bekannt waren.

Martin Seibold fing damals klassisch an, mit einem Deutz Traktor zu rücken. Als Joachim Seibold den Betrieb 2013 übernahm, waren es schon drei Welte Skidder, mittlerweile sind es deren fünf. Dazu kommen zwei Rückezüge, ein Komatsu 830 und ein – Achtung! – Valmet, Baujahr 2008, der mittlerweile 25 000 Stunden auf der Uhr hat. „Der läuft so tadellos, den gebe ich nicht her“, sagt Joachim Seibold.

Kurz nachdem Vater Seibold damals mit der Holzrückung begonnen hatte, stellte er fest, dass auch der Holztransport gut nachgefragt war. Also legte er sich einen Unimog zu, mit dem er Rundholz in die umliegenden Sägewerke fuhr. An diesem Prinzip hat sich bei Seibold bis heute nichts geändert. Nur dass inzwischen drei Iveco-Kurzholzzüge und ein Langholzzug von Mercedes-Benz zum Unternehmen gehören. Dazu kommt eine Scania-Sattelzugmaschine, die wahlweise einen Rundholztrailer oder den firmeneigenen Tiefbetthänger von Ebert zieht.

Joachim Seibold hat gleich nach der Schule als Holzrücker in der väterlichen Firma zu arbeiten begonnen und parallel eine Ausbildung zum Berufs-kraftfahrer absolviert. So konnte er schon früher als mit 21 Jahren seinen Lkw-Führerschein machen. Von da an hat er für seinen Vater Rundholz gefahren, bis er selbst nach dessen Tod das Forst- und Holzhandelsunternehmen übernommen hat.

Der letzte Geschäftsbereich ist die Holzvermarktung. Etwa die Hälfte des Holzes, das die Firma Seibold rückt, vermarktet sie auch selbst, zumeist an umliegende Sägewerke, vor allem Schwaiger in Hengersberg, teils auch nach Österreich. Insgesamt 100 000 Fm Rundholz handelt das Unternehmen jährlich. Der Winter ist stärker geprägt von der Selbstvermarktung nach Holzernte im Flachland, der Sommer eher von der Dienstleistung, wenn die Staatswälder in den Höhenlagen des Bayerischen Waldes schneefrei sind. Zu Seibolds Kunden gehören auch große Forstbetriebe wie die Brauerei Jandelsbrunn, die allein 900 ha Wald hat.

Die Firma Holz Seibold ist aber nicht nur sehr regional unterwegs, sondern auch ein ausgesprochener Familienbetrieb. Zwölf Vollzeitkräfte sind im Unternehmen beschäftigt und fünf Minijobber. Lediglich drei davon gehören nicht zum weiteren Familienkreis. Dazu gehören Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen sowie Lebenspartner.

Familienbande

Bereits der Vater Martin Seibold hat diesen Familiensinn geprägt. Denn immerhin galt es neun Geschwister zu bedenken, sechs Brüder und drei Schwestern. Während Joachim Seibold den Forstbetrieb weiterführte, übernahm sein jüngerer Bruder die Landwirtschaft. „Der Vater hat dazu extra noch einen Hof in der Nachbarschaft gekauft“, erzählt Joachim. „Damit Forstbetrieb und Landwirtschaft sauber getrennt werden.

„Und der Rest arbeitet eigentlich eh bei mir.“ Will heißen: Außer zwei Schwestern sind alle anderen Geschwister bei Joachim Seibold im Forstbetrieb beschäftigt. Seine Schwester Stefanie und seine Tochter Natalie organisieren das Büro, seine Brüder Jürgen und Martin, sein Sohn Patrick und sein Neffe Michael fahren vier der sieben Holzrückemaschinen im Unternehmen. Zwei weitere Brüder, Andreas und Gerhard, fahren ebenso wie Chef Joachim Seibold selbst Holz-Lkw. Daneben zählt er noch diverse Onkel, Tanten und andere Verwandte auf, die für ihn arbeiten. Ausnahmsweise nicht zur Verwandtschaft gehören der Mechaniker Florian, der in der betriebseigenen Werkstatt Forstmaschinen und Lkw repariert und der Harvesterfahrer Christof, der seit 2020 im Unternehmen ist.

Neben Büro und Werkstatt gehört auch ein Holzlagerplatz zum Betriebsgelände. Als wir zu Besuch sind, liegt hier viel Brennholz. Aber auch andere Rundhölzer werden hier zwischengelagert und kommissioniert. Den Bagger für diese Arbeit fährt – man ahnt es schon – auch ein Verwandter, nämlich Joachim Seibolds Onkel Erich.

Da Vater Martin in der Landwirtschaft verunglückt ist und es zu etwaigen Erbschaften nichts Schriftliches gab, mussten die neun Geschwister alles unter sich regeln. „Es hat jeder was gekriegt. Wir wussten ja, was unser Vater wollte, deshalb hat das reibungslos geklappt, wahrscheinlich besser, als wenn es nur zwei Geschwister gewesen wären“, erzählt Joachim Seibold.

Holz der kurzen Wege

In der Firma Holz Seibold findet sich alles wieder, was von Fachleuten als zukunftsträchtige Geschäftspraktiken beschworen wird: Holz der kurzen Wege, Wertschöpfung im ländlichen Raum und das verbunden mit einem familiären Zusammenhalt, der seinesgleichen sucht.

Marc Kubatta-Große

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