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Jörg Nedden

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Jörg Nedden hat im Nationalpark Harz schon drei Millionen Bäume gepflanzt
Foto: O. Gabriel

Jörg Nedden: Zukunftsprojekt Aufforstung

Wer sich einen Forstunternehmer vorstellt, denkt zuerst an an einen Mann mit einer großen Maschine. Er erntet und rückt gemeinhin Holz – und überhaupt war er schon von klein an mit dem Opa und dem Vater im Wald. Bei Jörg Nedden aus Niedersachsen war das anders. Er ist sogar ein Freund der Nationalparkidee, der viele seiner Berufskollegen so gar nichts abgewinnen können.

Wir treffen Jörg Nedden (47)am Bahnhof Schierke, mitten im Nationalpark Harz. Gleich nebenan pflanzt er mit vier Leuten Buchen in ein Fichten-Altholz. Rund 2 000 Stück bringen sie pro Hektar aus, nicht streng in Reihen, sondern so wie das Gelände es vorgibt. Zwei Mann bohren Löcher in den steinigen Boden, ihre Kollegen setzen bei „Harzer Sauwetter“ die einjährigen Ballenpflanzen und treten sie fest.

„Das ist ein Knochenjob“, sagt Nedden, während er uns den Arbeitsgang selbst vorführt. Dabei erklärt er, dass die Buchen in der feinkrümeligen Bohrung bessere Anwuchschancen haben als in den engen Spalten, die man mit Pflanzhacken anlegt. Er sagt auch, dass Ballenpflanzen auf dem Vormarsch sind, weil sie viele Feinwurzeln besitzen und mit der Erde ausreichend Nährstoffe und Feuchtigkeit für die erste Zeit mit bringen.

Der Wald ist nicht verloren

Schaut man sich um, dann ahnt man, warum das so wichtig ist: Der Bestand, in dem Neddens Leute arbeiten, steht nur noch zur Hälfte. Die Dürre der vergangenen zwei Jahre und der Borkenkäfer haben die andere Hälfte schon zu Strecke gebracht. Inzwischen sind die toten Bäume zwar beseitigt, aber ihr Nachwuchs wird es auf der Kahlfläche sehr schwer haben. So wie in weiten Teilen des Nationalparks bis hinauf auf den Brocken.

„Es ist schon erschreckend, wie hier innerhalb von zwei Jahren der Wald abgestorben ist“, sagt Nedden. In den Randbereichen des Nationalparks, dort wo man den Borkenkäfer noch bekämpft, damit er nicht auf die umliegenden Wälder übergreift, sind riesige Kahlflächen entstanden. Trotzdem bleibt der fast zwei Meter große Forstmann optimistisch, dass die Flächen mit den abgestorbenen Fichten-Monokulturen nicht verloren sind. In weniger als zehn Jahren werde dort wieder ein Wald wachsen – reicher an Laubholz, vielfältiger und widerstandskräftiger als zuvor. Seine Firma, die Forstprojektleitung Nedden GmbH, hilft bei diesem Wandel mit. Ihr Sitz liegt in Waake bei Göttingen. Nedden hat sie 2012 gegründet.

Nedden ist in Hamburg groß geworden und hat Forstwissenschaften in Göttingen studiert. Im Normalfall wäre er wohl Förster geworden. Aber um die Jahrtausendwende lief in den Landesforsten die große Reformwelle, die Forstämter und Reviere wurden immer größer, das Personal eingespart. Als er fertig war, fing er darum bei einer Forstbaumschule an und wickelte für sie Aufforstungsprojekte ab. Es war keine leichte Zeit, weil die Waldbesitzer immer mehr Richtung Naturverjüngung gingen und ihre Ausschreibungen die Baumschulen sehr unter Druck setzten.

Arbeit für ein Jahrzehnt

Irgendwann entschied er sich, das Ganze selbst in die Hand zunehmen. Sein Aufgabenspektrum änderte sich mit der Selbstständigkeit allerdings kaum. Er erntet bis heute Saatgut, er pflanzt und schützt die Kulturen mit Zäunen gegen Wildverbiss, ehe er später auch die Kultur- und Jungwuchspflege übernimmt. Er arbeitet dabei eng mit drei Forstbaumschulen zusammen. Sie ziehen das Saatgut an, dass er mit seinen Männern geerntet hat.

Über Auftragsmangel kann er sich nicht beklagen. Angesichts von deutschlandweit 245 000 ha Schadflächen wird ihm die Arbeit vorläufig nicht ausgehen. Er rechnet mit mindestens zehn Jahren, bis alle Flächen wieder bestockt sein werden. Sein Unternehmen trägt dazu zwischen 400 000 und 600 000 Jungpflanzen jährlich bei, überwiegend im Privatwald, aber auch im Landeswald und im Nationalpark Harz, wo er im Laufe seines Berufslebens wohl schon an die drei Millionen Pflanzen gesetzt hat.

Die Arbeitskräfte kommen aus Polen

Wir kommen darauf zu sprechen, warum er nur polnische Arbeitskräfte beschäftigt. „Das war am Anfang eine Frage der Personalkosten“, gibt er zu. Das sei aber seit Einführung des Mindestlohns nicht mehr so entscheidend. Es liegt eher daran, dass er seine Leute schon aus seiner Baumschulzeit kennt und weiß, dass sie sich nicht zu schade sind, sich dreckig zu machen. Im Laufe der Jahre sind zudem enge Bande entstanden. Er besucht seine Leute jedes Jahr in Polen, wo er nach seinen Worten „drei Dörfer ernährt“. 20 bis 30 Leute kommen seit 2018 in der Hochsaison zu ihm nach Deutschland.

Ein weiterer Grund für die Auswahl seiner Kräfte ist der saisonale Charakter der Arbeit. „Ich kann meine Leute nicht das ganze Jahr hindurch beschäftigen.“ Die Polen verdienen von Oktober bis zum Mai in Deutschland ihr Geld, dann kehren sie zurück zu ihren Familien. Er dagegen kümmert sich im Sommer um die Pflege – früher allein, heute mit einer kleinen Mannschaft, zu der seit dem letzten Jahr sogar ein Forstingenieur gehört.

Eine große Genugtuung

Dass Nedden im Forst gelandet ist, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Der letzte Forstmann der Familie war sein Ur-Ur-Urgroßvater, der im Sudetenland Förster war. Es war seine Naturliebe, die ihn zum Forststudium nach Göttingen trieb – und seine praktische Veranlagung, die ihn später leichten Herzens Unternehmer werden ließ. Schon während des Studiums renovierte er ein Studentenwohnheim, später baute er mit eigenen Händen das Holzhaus, in dem er seitdem mit seiner Frau und drei Kindern lebt.

Das war auch die Basis, auf der er es vor zwei Jahren wagte, einen für ihn ganz besonderen Auftrag anzunehmen: den Neubau des 600 m langen Bohlenwegs zu den Leistenklippen im Nationalpark Harz. Das Holz dafür musste er im unwegsamen Gelände mit dem Helikopter einfliegen lassen und vor Ort zurechtsägen, verankern und verschrauben. „Das war eine echte Herausforderung für uns“, blickt er zurück.

Beginn einer Dynastie?

Was das Schönste an seinem Job ist? „Dass ich draußen in der Natur arbeiten kann und Pflanzprojekte von A bis Z begleite. Es ist eine wahnsinnige Genugtuung, nach 10 oder 15 Jahren zu einer Fläche zurückzukommen und dort steht dann schon ein richtiger Mischwald.“ Nicht ausgeschlossen, dass diese Freude jetzt doch noch eine Forstdynastie begründet: Neddens 17-jähriger Sohn beginnt nach der mittleren Reife schon einmal die Ausbildung zum Forstwirt.

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