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Patrick Rauber

patrick rauber

Patrick Rauber wollte unbedingt in den Wald. Heute hat sein Unternehmen vier Maschinen und fünf Angestellte.
Foto: Löffler Photography&Film

Waldsüchtig: Patrick Rauber aus Grebenhain

Eigentlich hätte Patrick Rauber gar nicht in den Wald gesollt. Sein Vater wollte, dass er nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatronikermeister studiert. Irgendwas. Nur nicht in den Wald, weil man da kein Geld verdient. Dabei war Vater Reinhard Rauber selbst jahrelang vom Wald besessen: Er hat die zweite jemals in Deutschland ausgelieferte Mini Bruunett gekauft und ist mit einem John Deere 810 Truck-Trials gefahren. Kein Wunder, dass sich Sohn Patrick gegen den Wunsch des Vaters trotzdem für den Wald entschieden hat.

Grebenhain in Hessen, Frühjahr 2020: Vier Vito-Transporter fahren vom Hof des Forstunternehmens Rauber. Alle im Rauber-Design. Firmenchef Patrick Rauber hat vorher die Aufgaben verteilt: Ein Harvesterfahrer fährt nach Frankfurt, ein Rückezugfahrer nach Nidda. Der andere Rücker sowie Rauber selbst und sein Abstocker bleiben in der Umgebung.

Zugegeben, die Szene ist für unsere Filmaufnahmen gestellt. Alle haben ein Handy, niemand muss sich auf dem Hof treffen, es sei denn er hätte was in der Werkstatt zu tun. Das einheitliche Design von Fahrzeugen und Kleidung zeigt aber das Selbstbewusstsein des Unternehmens und seines Chefs: „Wir sind stolz auf das, was wir tun“, signalisiert es. Das Forstunternehmen Rauber ist auf hochmechanisierte Holzernte spezialisiert. Es laufen zwei Harvester, ein John Deere 1270E Achtrad, ein 1270E Sechsrad und zwei Forwarder 1110E. Bei Rauber fährt man grün, seit jeher.

Patrick Rauber hat fünf Angestellte: die Rückezugfahrer Sebastian Rehm und Kamil Kadelski, den Harvesterfahrer Tino Pesta – den zweiten Harvester fährt Rauber selbst – und den Abstocker Ioan Covalschi. Und auch Raubers Frau Nathalie ist im Unternehmen angestellt. Die Friseurmeisterin ist für Buchhaltung und Organisation zuständig. Sie hält ihrem Mann den Rücken frei. Raubers Eltern Reinhard und Helga Rauber helfen ebenfalls noch mit, obwohl sie schon in Rente sind. Reinhards Steckenpferd ist die Maschinenpflege. Am Tag unseres Besuchs ist der firmeneigene Tieflader dran: Lackschäden ausbessern. Helga hilft Nathalie im Büro.

Nur nicht in den Wald

Eigentlich hätte Patrick Rauber nicht in den Wald gesollt. Sein Vater hatte was anderes vor mit ihm. „Der Junge sollte seine Meisterschule machen und dann studieren. Irgendwas. Nur nicht in den Wald. Da verdienst du kein Geld.“ Hat er auch brav gemacht, der Junge. Teil drei und vier der Meisterschule nach der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hatte er 2006 schon abgeschlossen.

Bis zum Beginn von Teil eins und zwei war ein halbes Jahr lang Pause. Was macht der Junge? Klar, hilft dem Vater im Wald. Der war er damals Holzrücker und mit einem John Deere 1010 D als Einzelunternehmer unterwegs. Patrick hat für die Zeit einen gebrauchten 1010 B bekommen. Bis die Maschine kam, haben Vater und Sohn zwei Monate lang in Schichten gearbeitet, Patrick tagsüber, Reinhard nachts und am Wochenende. Und – zack – war es passiert, ist der Junge im Wald geblieben. Am Ende der halbjährigen Pause hat der Vater gefragt: „Willst du wieder zur Meisterschule oder einen eigenen Rückezug?“

Am Morgen nach Kyrill hat Patrick gesagt: „Ich bleib im Wald!“ „Haben Sie ihn gedrängt, oder wollte er selbst im Wald arbeiten?“, fragen wir den Vater. „Er wollte es unbedingt! Ich hätte ihm das gern erspart.“ Kurz drauf hat er Patrick einen neuen 1110 D gekauft.

Waldsucht ist erblich

Reinhard Rauber ist in der Branche eine Berühmtheit: Er kommt aus der Landwirtschaft und hat schon immer Holz gerückt. 1978 machte er sich selbstständig und kaufte ein Jahr später zusammen mit seinem Bruder Helmut die zweite jemals in Deutschland ausgelieferte Mini Bruunett. Insgesamt sieben Stück dieser legendären Forwarder hat er gefahren. In den 1990er Jahren haben Reinhard und Helmut an den Truck-Trial-Meisterschaften teilgenommen. Timberjack hat ihnen extra dafür einen 810 B zur Verfügung gestellt. Helmut wurde Europameister, Reinhard Vizemeister.

Mit Patrick fällt der Apfel also definitiv nicht weit vom Stamm. Suchten sind anscheinend erblich, Waldsucht auf jeden Fall. Bis 2014 arbeitete Patrick bei Reinhard, dann gründeten beide eine eigene GbR und Patrick schaffte sich einen John Deere 1110 E an. Bis 2017 hat er weiter mit seinem Vater zusammengearbeitet, bis der Anfang 2018 in Rente ging. So wie er gegen den Willen des Vaters in den Wald kam, so heuerte er auch gegen dessen Rat im Februar 2017 den ersten Mitarbeiter an, um das Unternehmen schlagkräftiger zu machen. Reinhard Rauber hatte immer Sorge wegen der Motivation angestellter Fahrer. Außerdem: „Bis du einen neuen Fahrer angelernt hast, ist ein halbes Jahr rum!“

2018 übernahm Patrick das Unternehmen komplett und investierte weiter. Zu den zwei Rückezügen kamen 2018 und 2019 zwei Harvester hinzu. Die Firma ist in ganz Hessen und darüber hinaus tätig. „Mein Anspruch sind zufriedene Kunden“, sagt Patrick Rauber. Entsprechend sauber sortiert liegt das Holz beim Waldtermin an der Gasse da, fertig zur Rückung. Die Auftragslage ist gut, dank Stürmen und dem Borkenkäfer. In absehbarer Zeit wird das auch so bleiben. Vater Reinhard ist dennoch skeptisch. „Ich weiß, was ich alles falsch gemacht habe“, sagt der alte Hase. Er will seinen Sohn immer noch vor Fehlern bewahren. Klein bleiben, Kosten niedrig halten, ist sein Motto. Er weiß aus Erfahrung, dass die Arbeit auch mal ausgehen kann. „Bei uns war das nicht normal, dass wir das ganze Jahr gearbeitet haben.“

Patrick Rauber ist trotz der Dauerskepsis seines Vaters zuversichtlich und geht neue Wege: Er hat einen neuen Harvester bestellt. Der soll Ende Mai kommen. Und diesmal ist es kein grüner, sondern ein roter: ein Komatsu 931 XC. Rauber will John Deere jedoch nicht gänzlich den Rücken kehren. „Wir werden das bei den Harvestern testen. Die Komatsu-Maschinen sind denen von John Deere ebenbürtig. Bei den Forwardern bleiben wir bei John Deere. Die Fahrer sind von der Drehkabine total begeistert!“

Bodenhaftung

Auch sonst ist Rauber technisch auf der Höhe der Zeit. Selbstverständlich hat sein Abstocker einen Spindelkeil mit Schlagschrauber für die Fällung. Selbstverständlich nutzt Rauber für seine Einsatzplanung die MW-Forst App. Und ganz nebenbei zeigt er uns, wie er mit dem BaSt-Ing-Schleiferl die Kette an seinem Harvesteraggregat schärft.

Dabei ist er ganz und gar kein Hektiker, der jedem neuen Trend hinterherhüpft. „Er denkt viel nach und geht Probleme ruhig an. Was er sagt, hat Hand und Fuß. Und seine Firma hat er voll im Griff“, bestätigt uns Nathalie. Sie ist eines von Raubers zwei Regulativen: Gesprächspartnerin, Kritikerin, Entscheidungshilfe. Das andere ist sein Vater: Obwohl permanent skeptisch und kritisch beäugend, was sein Sohn da im Wald so treibt, hat er ihm neben dem Qualitätsanspruch auch Bodenhaftung mitgegeben. Denn auch Patrick Rauber hat eines verinnerlicht: „Entscheidend ist, was am Ende übrigbleibt.“

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