Raimund Hofmann aus Weil

raimund hofmann aus weil

Wer Wald hat, trägt auch Verantwortung

Raimund Hofmann aus Weil in Oberbayern hat von seinen Eltern einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit einer Fläche von 11 Tagwerk geerbt. Für Hofmann bedeutet Waldbesitz auch Verantwortung.

Auf der einen Fläche von knapp 1,3 ha wurde bereits 1989 im Rahmen eines Naturschutzprojekts ein „Biotop“ angelegt. Heute ist es ein laubholzdominierter, sehr wüchsiger Mischwald: Bergahorn, Esche und Stieleiche werden von Wildkirsche, Winterlinde, Hainbuche, Fichte, Feldahorn, Schwarzerle und Traubenkirsche begleitet. Vereinzelt findet man auch Lärche, Kiefer, Birke, Weißtanne und Eibe. 2007 forstete Raimund Hofmann noch einmal eine angrenzende Fläche von 1,8 ha auf.

Aufzeichnung und Planung

Bereits 2009 besuchte der heute 53-jährige Lehrer einen Kurs für Waldbesitzende am Forstamt Töging. Der Kurs erstreckte sich über ein Jahr, wobei eine Aufgabe für die Teilnehmer darin bestand, ein Forstoperat für den eigenen Wald zu erstellen. Dies hat Hofmann gemacht und führt sein Operat bis heute akribisch weiter. Das inzwischen 28-seitige Dokument ist auch Grundlage für seine Bewerbung als Waldbesitzer des Jahres.

Forschung im Kleinprivatwald

Seit April 2021 nimmt Hofmann mit seinem Wald am LIFE Future-Forest-Projekt des Landkreises Landsberg/Lech teil. Ausschlaggebend für das Interesse der Projektverantwortlichen an den beiden Waldabteilungen waren die Beschaffenheit des Bestandes und die bisher erfolgte Dokumentation über den Bestand sowie durchgeführte waldbauliche Maßnahmen. Ziel des Projekts ist die Schaffung eines finanziellen Anreizsystems zum Aufbau klimastabiler Wälder, damit sich der Waldaumbau für Waldbesitzende auch lohnt.

Kein Arboretum

Auch wenn man auf der kleinen Fläche 39 verschiedene Baumarten findet, legt der Besitzer Wert darauf, dass es sich nicht um ein Arboretum handelt. Sein Ziel ist es eindeutig, Wertholz zu produzieren. Auch wenn es nach 32 Jahren noch überwiegend Schwach- und Brennholzsortimente seien, die geerntet werden, seien gerade die Erlöse durch Energieholz in Form von Laubhartholz nicht zu unterschätzen und würden durch die künftig zunehmende Nachfrage wohl weiter steigen, so Hofmann. 

Waldarbeit

Alle Arbeiten verrichtet der Lehrer überwiegend selbst. Dazu hat er neben einem Kommunalschlepper mit Seilwinde, Spalter, Mulcher, Anhänger und Motorsäge im Einsatz. Der kleine Schlepper mit breiten Reifen erlaubt eine exakte Positionierung und schont den Boden.

Regelmäßig, alle ein bis zwei Jahre, wird der Bestand von ihm behutsam durchforstet. Ziel ist es, eine Ungleichaltrigkeit zu erzeugen und die Vielfalt zu erhalten. An einigen Stellen hat er seinen Wald mit Tannen ergänzt, die er mit Stachelbäumen vor dem Verbiss und Verfegen schützt. 

„Der Boden ist mein Kapital: Ich besitze einen sehr fruchtbaren Boden, den ich weiter zur Höchstleistung trainiere“, so Hofmann. Ein Beispiel: Ab Anfang Juli befindet sich im Bestand kein Blatt mehr am Boden. Die Regenwürmer haben die Laubstreu zu diesem Zeitpunkt bereits in Humus umgewandelt.

Auswahl von Z-Bäumen

Das Biotop wird erst seit 2003 forstlich genutzt. Vorher fanden bis auf die Jugendpflege (Auskesseln) keine Maßnahmen statt. Seit dem Frühjahr 2004 wurden nach einer Beratung gezielt Z-Bäume ausgezeichnet und Bedränger systematisch entfernt. Insgesamt konnten ca. 100 Z-Bäume ausgewählt werden. Sie wurden auf eine Stammlänge von mindestens 6 m entastet und bei Bedarf freigestellt.

Der Waldbesitzer kann aber nicht nur Erfolge vermelden:  Das Eschentriebsterben befällt auch in seinem Bestand viele Bäume, darunter auch Z-Bäume. Diese werden, falls nötig, sukzessive entfernt.

Holznutzung

Seit 2003 wird im Rahmen der Durchforstung Brennholz entnommen, jedes Jahr etwa 18 Rm/ha. Das entspricht etwa 40 % des Zuwachses. In einem zum Wald gehörenden Anwesen werden Weich- und Nadelholz über einen Scheitholzvergaserkessel zur Wärmegewinnung annähernd CO2-neutral verwertet. Das gewonnene Laubhartholz wird als Scheitholz verkauft. 2022 wurde erstmals auch Fichtenstammholz (2b+) in kleineren Mengen vermarktet.

Jagd

Die Jagd muss es nach Ansicht des Waldbesitzers ermöglichen, dass verbissgefährdete Baumarten, von denen viele auf der Fläche stehen, aufwachsen können, um eine Entmischung des Bestands zu verhindern. Zu diesem Zweck fanden schon Begehungen mit der Kommune und der Jagdgenossenschaft sowie dem zuständigen Jagdpächter statt, vor allem im Vorfeld von durchgeführten Pflanzungen. Hofmann versucht, bei den Jagdverantwortlichen um Verständnis für die Sache zu werben, indem er im Gespräch mit ihnen bleibt. Es gebe zwar Verbissschäden, die jedoch wegen der massenhaften Vermehrung nicht zu stark ins Gewicht fielen. 

Naturschutz

Seit 2021 nimmt der Waldbesitzer mit der im Waldinneren liegenden Streuobstwiese am bayerischen Ver­tragsnaturschutz­programm teil. Sie wird nur extensiv genutzt. Teilweise ist sie gänzlich stillgelegt. 

Zudem wurden 2022 einige Hochstümpfe geschaffen, an denen sich Höhlenbrüter erfreuen sollen.

Zukunft seines Waldes

Auch wenn Raimund Hofmann selbst keine Kinder hat, pflegt er seinen Wald, um ihn für die Zukunft fit zu machen. Er hatte eigentlich nie das Anliegen, möglichst hohe Erträge mit dem Bestand zu erzielen, was aber aufgrund der Überführung in einen Dauerwald zunehmend gelingt. Vielmehr möchte er Verantwortung für die Schöpfung übernehmen. Schließlich habe ich dieses wunderbare Stück Land ja auch bekommen und kann es nun weiter pflegen, damit auch künftige Generationen einen so wunderbaren Wald genießen und nutzen können.“ 

 Rainer Soppa

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