Stiftung Zukunft Wald aus Braunschweig – Gewinner

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Stiftung Wald – Gewinner des Sonderpreises "Nachhaltigkeit Wald 2022"

Im internationalen Jahr der Wälder 2011 startete die Stiftung Zukunft Wald das Projekt: „Schulwälder gegen Klimawandel – Pflanzt nicht Worte, sondern Bäume! – Schulwälder für Generationen“. Mittlerweile gibt es über 60 Schulwälder verteilt über ganz Niedersachsen. Dafür arbeitet die Stiftung derzeit mit über 110 pädagogischen Einrichtungen zusammen. Ihren Schulwald haben die Schüler eigenhändig angelegt – unterstützt von der Stiftung Zukunft Wald, engagierten ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, vielen Förderern und Unterstützern.

Die Erde glüht: In den letzten hundert Jahren ist ihre Temperatur bereits um ein Grad Celsius angestiegen. Was auf den ersten Blick wenig erscheint, hat für sensible Ökosysteme und das Klima gravierende Folgen. Um die Schäden einzugrenzen, müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden.

Als im Jahr 2010 der Schüler-Wettbewerb „ZukunftWald 2100“ zum Thema Waldentwicklung stattfand, stellten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen allerdings schnell fest: Es wird viel über Klimaschutz geredet und geschrieben, aber zu wenig „getan“. Damit waren sie nicht einverstanden, denn immerhin geht es um ihre Zukunft. Deshalb formulierten sie die Forderung: „Pflanzt nicht Worte, sondern Bäume.“ Wir haben die Aufforderung verstanden und in Handeln umgesetzt. Die Idee zum Projekt „Schulwälder gegen Klimawandel“ war geboren. Und wir handeln immer noch!

Blätterdach statt Betonbau

Leitmotiv des Projektes ist die immense Bedeutung, die Wald beim Klimaschutz einnimmt. Allein in Deutschland bindet der Wald durch den Zuwachs von Bäumen jedes Jahr rund 58 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids (CO2). Aber nur ein intakter und gesunder Wald kann dieser Rolle gerecht werden. Um das zu begreifen, ist es wichtig, die Zusammenhänge zwischen dem Wald als Ökosystem und der Umwelt mit ihrem Einfluss auf das Klima zu verstehen. 

Die Herausforderung dabei: Viele Kinder kennen Wald nur in der Theorie. Zu diesem Ergebnis kommt der „7. Jugendreport Natur“ der Universitäten Marburg und Köln. Sie fanden heraus, dass sich Freizeitaktivitäten vermehrt in den eigenen vier Wänden abspielen und der Schulunterricht in Gebäuden aus Stahl, Glas und Beton stattfindet.

Aber: Wie soll man etwas schützen, dass man nicht kennt?

Zu den Zielen des Schulwald-Projektes gehört es, jungen Menschen die Natur durch eine nachhaltige Umweltbildung zu erklären, sie für Umweltthemen zu sensibilisieren und ein nachhaltiges Naturbewusstsein zu entwickeln. Das kann nur durch  Walderlebnisse erreicht werden, bei denen die Kinder und Jugendlichen gemeinsam als Team in ihrem Schulwald selbst aktiv werden.

Eigenhändig Bäume pflanzen

Offizieller Startschuss der „Schulwälder gegen Klimawandel“ war im November 2011 im „Internationalen Jahr der Wälder“ bei der Veranstaltungsreihe „DichterWald“ der Leibniz- Bibliothek in Hannover. Schon im darauffolgenden Dezember fand die erste Pflanzaktion an der Paul-Gerhard-Schule in Dassel statt. Heute gibt es über 60 Schulwälder verteilt über ganz Niedersachsen. Dafür arbeitet die Stiftung derzeit mit über 140 pädagogischen Einrichtungen zusammen. Ihren Schulwald haben die Schüler und Schülerinnen eigenhändig gepflanzt – unterstützt von der Stiftung Zukunft Wald, Lehrern und Lehrerinnen, engagierten ehrenamtlichen Helfern, vielen Förderern und Freunden.

Die erforderliche Fläche bekommen sie kostenlos von privaten oder öffentlichen Grundstückseigentümern im Rahmen eines Kooperationsvertrags zur Verfügung gestellt. Für 30 Jahre übernehmen die Schulen die Verantwortung für ihren Wald. Während dieser Zeit dürfen sie ihn als grünes Klassenzimmer nutzen, eigene Aktionen durchführen und frei gestalten. In der Regel ist der Schulwald fest in den Lehrplan und in Umwelt-Arbeitsgemeinschaften integriert oder er bildet das Thema von Projektwochen. Auf diese Weise entwickelt sich der Wald im Laufe eines Schülerlebens zu einem „Psychotop“ – einer vertrauten Umgebung. Die jungen Menschen lernen sich in der Natur zu bewegen und erkennen die vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt. Grundlagen, die es braucht, um später als Erwachsene auf sie zu „achten“ und sich für ihren Erhalt zu engagieren. 

Den Wert nachhaltigen Handelns haben mittlerweile auch Unternehmen erkannt: Seit 2017 gibt es in Salzgitter den ersten Azubi-Wald.

Ausgezeichnete Leistung

Nicht Chemie, Physik, Mathematik oder Biologie als getrennte Fachbereiche, sondern projektbezogenes, fächerübergreifendes Lernen sind zukunftsfähige Lernstrukturen um die vernetzten Zusammenhänge im Ökosystem Wald zu „begreifen“. Es bedarf eines Teams von Denkern, Handwerkern, Logistikern, Planern oder auch Kreativen unter Schülern und Schülerinnen, um den Schulwald entstehen zu lassen und weiter zu entwickeln. Praktische Aktivitäten, „selber anpacken“, gemeinsam mit anderen etwas planen, sich gegenseitig motivieren, baut Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen auf.

Aufgrund dieser Schwerpunkte haben die Vereinten Nationen die Schulwälder als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ prämiert.

Schulwälder sind kleine Naturoasen in meist ausgeräumter Agrarlandschaft. Ihr Reichtum an Baum- und Straucharten, arten- und blütenreiche Begleitvegetation und Sukzessionen sowie Aufwertung durch Zusatzbiotope wie Tümpel, Insektenhotels, Lesesteinhaufen, Streuobstwiesen oder Wildblumenflächen machen ihn zu einem vielfältigen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten. In den Jahren 2014, 2016 und 2018 erhielt das Schulwaldprojekt im Rahmen der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ mehrfach Auszeichnungen.

Weitere Infos unter
www.zukunftwald.de

Foto: NLF

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