Ulrich Mergner aus Rauhenebrach

ulrich mergner aus rauhenebrach

Schutz trotz Nutzung!

Ulrich Mergner war bis Ende April 2021 Leiter des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten. Als solcher stand er an der vordersten Front im Gezerre um den Nationalpark Steigerwald. Er vereint zwei Dinge, von denen viele glauben, sie wären nicht zu vereinen, nämlich Forstwirtschaft und Artenschutz im Wald. Das Rezept dazu heißt Trittsteinkonzept.

Um Ulrich Mergner und sein berufliches Werk zu beschreiben, muss man tief in der Kiste mit den Superlativen wühlen. Er ist Vorreiter ist Sachen Umweltschutz im Wald, er schafft es, Artenschutz im Wald zu leben und den Wald gleichzeitig effektiv zu bewirtschaften. Trittsteinkonzept heißt das Zaubermittel, das Forstwirtschaft und Artenschutz verbindet. Er hat ein Buch darüber geschrieben, das derzeit vergriffen ist, aber neu aufgelegt wird. Und das alles tut er an der vordersten Front, dort wo Naturschutz und Forstwirtschaft scheinbar unversöhnlich aufeinanderprallen, dort wo die einen den dritten bayerischen Nationalpark wollen, und die anderen, dass alles so bleibt, wie es ist – im Steigerwald.

Mit Fug und Recht kann als sein Lebenswerk bezeichnet werden: Die Verbindung von Forstwirtschaft und Artenschutz. Ein Teil dessen ist das Totholzkonzept. Der Kern ist aber das Trittsteinkonzept. Es baut auf der wissenschaftlichen Erkenntnis auf, dass viele kleine geschützte Bereiche für den Artenschutz effektiver sind als wenige große. Und das Beste: Es lässt sich in jedem Forstbetrieb ganz einfach umsetzen. In Ebrach gibt es 200 dieser Trittsteine mit Größen zwischen 0,3 und 20 ha. Die Ausnahme bildet die Naturwaldfläche Knetzberge-Böhlgrund mit 850 ha. Hinzu kommen sechs Naturwaldreservate und 40 km Waldränder. Man habe in Sachen Artenschutz mit dem Großschutzgebiete zu errichten jahrzehntelang die falsche Richtung verfolgt. „Für den Steigerwald wäre ein Nationalpark kontraproduktiv“, ist er überzeugt. „Was wollen wir? Alles stilllegen? Oder die gewachsene Artenvielfalt erhalten? Mit welcher Begründung will der Naturschutz schutzwürdige Strukturen, die die Förster und Waldbesitzer in Jahrzehnten und Jahrhunderten geschaffen haben, jetzt wegnehmen?“

Mergner beobachtet die Diskussionen um den Waldnaturschutz sehr genau. Er sagt, in Naturschutzkreisen habe man sich auf Stilllegungen festgelegt, das sei reine Ideologie. Die Forstwirtschaft sei da wesentlich gesprächsbereiter. Das habe er auf den zahlreichen Exkursionen festgestellt, die er in all seinen Dienstjahren für Fachleute, aber auch für Waldbesucher, angeboten hat. Sein Fazit: „Waldbesitzern liegt ihr Wald am Herzen. Sie sind offen für Naturschutz, solange er ihnen nicht vorgeschrieben wird.“

„Waldbesitzer sind offen für Naturschutz“

Die Exkursionen sind ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit. „Bildung ist wichtig, für Laien wie für Fachleute“, sagt Mergner. Hinzu kommen Veröffentlichungen in lokalen Zeitungen, oftmals als Reaktion auf Anwürfe von Naturschützern, die versuchen, eine Hiebsmaßnahme als unrechtmäßig dazustellen

Mit den umliegenden Gemeinden zusammen hat Mergner ein Konzept für sanften Tourismus entwickelt, mit den Brennholznutzern hat er vereinbart, dass sie kein Kronenholz mehr aufarbeiten, sondern Polterholz an den Weg gelegt bekommen. Auch mit dem Verein „Unser Steigerwald“ ist Mergner im Gespräch, dessen Mitgliedern, die viele Ökologie im Wald bisweilen unheimlich wird: „Jetzt reicht dann aber mal mit dem Totholz“, sagen sie. Über all dies könnte man weitere Seiten füllen, die wir hier nicht haben.

Wenn Ulrich Mergner gerade nicht im Wald unterwegs ist, geht er mit seiner Frau gern auf Reisen, oder kümmert sich daheim in Fabrikschleichach um den Garten. Bereits sein Vater war Forstmeister im Spessart. Hätte er sich eigentlich auch einen anderen Beruf als Förster vorstellen können? „Nein, ich hatte schon in der Schulzeit diesen Berufswunsch“, sagt der Vorreiter des Waldnaturschutzes, der jetzt seine berufliche Laufbahn beendet hat.

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